Trainingstipps von ISW-Sports

 

Auf Hochglanz in die Bike-Saison
Quelle: FIT for LIFE 3/97

 

Im Frühjahr geht es vielen Leuten mit dem Mountain-Bike gleich wie mit den Ski oder Winterpneus: Ach du Schreck, da muss ja unbedingt noch ein Service gemacht werden - und das alles natürlich im letzten Augenblick, wenn die Servicestelle sowieso hoffnungslos überlastet ist.
Bringen Sie Ihr Bike deshalb schon jetzt wieder in Schuss und nicht erst, wenn Sie das warme Wetter wieder zum Radfahren einlädt. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihr Bike schnell und einfach auf Hochglanz bringen, damit Sie den Fahrspass auch vom ersten Pedaltritt an geniessen können.
Gutes und zuverlässig funktionierendes Material ist Grundvoraussetzung für Spass und Sicherheit auf zwei Rädern und kann Ihnen eine Menge ärgerlicher Erlebnisse ersparen. Jede Maschine funktioniert nur dann gut, wenn sie auch gut gepflegt wird. Die wichtigsten Handgriffe und Wartungsarbeiten sind ohne grossen Aufwand auch selber durchführbar und sorgen dafür, dass die Lebensdauer der entscheidenden Teile am Bike massiv erhöht wird. Peti Fontana, langjähriger Mechaniker der Schweizer Mountain Bike-Nationalmannschaft, gibt Ihnen seine persönlichen Tipps für ein "Bike auf Hochglanz".

Express-Service

Der Express-Service dauert nicht lange und ist einfach auszuführen. Er sollte vor allem nach Schlechtwetterfahrten oder nach langem Nichtgebrauch des Rades gemacht werden. Feuchter Schmutz sollte wenn möglich gar nicht erst eintrocknen, sondern unmittelbar nach der Ausfahrt entfernt werden. Für den Express-Service benötigt man eine grosse Bürste, einen Kübel, einige alte Stofflappen sowie Putz- und Pflegemittel (und eventuell zusätzlich ein paar Abwaschhandschuhe für empfindliche Hände). Als Putz- oder Pflegemittel empfiehlt Peti Fontana seine persönlichen Favoriten, die alle biologisch abbaubar sind und entweder im Fahrradfachhandel oder im Warenhaus erhältlich sind (siehe Kasten unten):


Entfetter: DT Degrease it (löst den hartnäckigen Schmutz)
Waschmittel: normales Geschirrspülmittel (reinigt mild)
Pflegemittel: DT Shine it (versiegelt und pflegt)
Kettenöl: DT Lube it (fettet und schmiert)
Kriechöl: WD 40 (dringt in bewegliche Teile und löst Schmutz)

In 10 Schritten zum Hochglanz-Rad

1.
Rad mit leichtem Wasserstrahl aus Gartenschlauch vom gröbsten Schmutz befreien. Hochdruckreiniger sind dafür ungeeignet, denn sie drücken Schmutzpartikel in Ritzen und Lager.

 

2
Anfällige Teile wie Schaltung, Bremsen, Wechsel und Kette mit Entfetter besprühen.

3
Rad mit Bürste und Waschmittel sorgfältig säubern. Vor allem Antrieb (Kettenblätter, Wechsel und Kette) gründlich reinigen. Wo die Bürste nicht herankommt,
kann man auch mit den Fingern nachhelfen.

4
Rad mit Wasserstrahl abwaschen und Waschplatz säubern.

5
Ganzes Rad kurz mit Lappen abtrocknen.

 
6
Pflegemittel ein sprühen an alle Metallteile, etwas einwirken lassen.
7
Mit einem Lappen das Rad gründlich trocknen (vor allem auch Bremsen und Schaltung). Kette zum Trocknen zwischen Lappen nehmen und Pedal rückwärts drehen.
8
Kettenöl innen und aussen auf U Kette geben (Pedal leicht drehen, damit das Öl in die beweglichen Teile hineinkommt). Überflüssiges Öl wieder von Kette Abziehen.
9
Kriechöl an die beweglichen U Teile bei Schaltung, Wechsel und Pedal geben.

10
Kontrolle der Räder. des Steuersatzes und der Tretlager

 


Erweiterter Service

Schon ein bisschen Fingerspitzengefühl erfordern die folgenden Handgriffe, die aber durchaus auch noch selber durchgeführt werden können.

Reinigen und Fetten der Kabelzüge
Dazu bringen Sie die Kette hinten auf den grössten Zahnkranz. Dann schalten Sie am rechten Schalthebel alle Gänge durch, aber ohne das Pedal zu bewegen: die Kette bleibt auf dem grössten Zahnkranz. Durch den Schaltvorgang ist das hintere Schaltkabel jetzt locker, und die Kabelhüllen können leicht ausgehängt werden. Mit einem Lappen das Kabel der Länge nach säubern und mit Teflonfett (zum Beispiel Grip Shift-Fett) einfetten. Kabelhüllen wieder einhängen.

Für das vordere Schaltkabel das Kettenblatt vorne auf den grossen Zahnkranz bringen, herunterschalten, ohne dass sich die Kette verändert, und dann die Kabelhülle aushängen. Auf diese einfache Art können Sie die Schaltkabel reinigen, ohne dass Sie etwas am Kabel selbst verändern müssen.
Auch die Bremskabel sollten ab und zuausgehängt, gereinigt und eingefettet werden.

 

Einstellen der Bremsen

Mit den Justierschrauben bei den Bremshebeln kann die Kabelspannung und damit der Abstand der Bremsklötze von den Felgen verringert oder vergrössert werden. Die Lage der Bremsklötze zu den Felgen kann direkt an den Bremsen eingestellt werden.


Einstellen der Schaltung

Schalten Ihre Gänge nur noch "zähneknirschend"? Mit der Justierschraube unmittelbar beim Schalthebel oder hinten bei der Schaltung können Sie kleinere Schaltmängel leicht selber beheben. Auch hier wird mit der Justierschraube entweder die Kettenspannung vergrössert oder verkleinert und damit die Position der Schaltung verändert.

Kettentest

Wann muss eigentlich die Kette ersetzt werden? Der Antrieb besteht aus Kette, Freilauf und Kettenblättern. Er ist abhängig von Fahr- und Schalttechnik sowie von Gelände- und Wetterbedingungen. Bei schlechten Wetterbedingungen ist der Antrieb sehr grossem Verschleiss ausgesetzt. Die Kette ist davon am meisten und zuallererst betroffen. Eine ausgefahrene Kette zieht auch alle anderen Teile des Antriebs in Mitleidenschaft. Wenn nach häufigem Gebrauch die einzelnen Kettenglieder zuviel Spiel bekommen, entsteht eine erhöhte mechanische Reibung, und die hinteren und vorderen Kettenblätter werden langsam abgeschliffen. Eine neue Kette aufzuziehen, nützt dann häufig wenig, denn sie wird auf den ausgefransten Zähnen nicht mehr greifen.
Ein einfacher Kettentest: Versuchen Sie, die Kette vorne vom grossen Kettenblatt abzuheben. Gelingt das soweit, dass fast die Zahnspitzen sichtbar werden, ist eine neue Kette fällig. Zuverlässiger kann man den Zustand der Kette mit dem Kettentester (Chain Checker von Park Tool) beurteilen; er zeigt an, ob sich die Kette schon über Gebühr ausgedehnt hat.

 

  

 

Totalservice

Der Totalservice sollte von Zeit zu Zeit durch den erfahrenen Bike-Mechaniker durchgeführt werden. Er beinhaltet:
- Verschleissteile wie Kette, Freilauf,Zahnkränze, Tretlager, Steuersatz, Kabel, Kabelhüllen, Bremsklötze und Pneus kontrollieren und evtl. ersetzen.
- Räder zentrieren, Naben kontrollieren
- evtl. Federung einstellen
- Bremsen richtig einstellen
- Rahmen kontrollieren

Ein "Platten" -und dann?

Regelmässige Materialkontrolle und eine gute Fahrtechnik können einen grossen Teil von Defekten verhindern. Trotzdem schlägt die Defekthexe immer wieder zu. Ungefähr 80% aller Defekte beim Mountainbiken werden durch Durchschläge des Schlauches verursacht. Ist der Luftdruck gering und schlägt man mit grosser Wucht auf ein Hindernis auf, kann die Schlauchwand an der Felge verletzt werden. Dabei entstehen zwei kleine Löcher, die auch "Schlangenbisse" genannt werden.
Damit die erste Bike-Tour nicht schon durch einen "Schlangenbiss" beendet wird, sind Utensilien wie Reserveschlauch, Flickzeug, Pneuhebel, Pumpe und Telefongeld unentbehrlich. Dazu sind auch im Fachhandel erhältliche Multiwerkzeuge mit Inbusschlüssel, Kettennieter, Speichenschlüssel und Schraubenzieher sinnvolle Nothelfer in unangenehmen Situationen.
Üben Sie doch einmal trocken, einen "Platten" in 5 Minuten zu beheben. So gehen Sie vor:
1. Restluft vollständig entfernen. Eine Pneuwand mit Reifenheber oder von Hand über das Felgenbett ziehen. Den defekten Schlauch von der Felge ziehen.
2. Innenwand des Pneumantels auf spitze Gegenstände absuchen.
3. Reserveschlauch leicht aufpumpen. Das Ventil einfahren und gleichmässig in den Mantel einlegen. Die Mantelwand von der Ventilöffnung ausgehend beidhändig über die Felgenwand stülpen.
4. Pump it up. Kontrolle. Voilà!